ECHO und AUFBRUCH - 12
- 23. März
- 3 Min. Lesezeit
EINFACH MAL ARSCHLOCH SEIN
Manchmal wirkt es, als würden sich Menschen im Kontext der Energiewende absichtlich querstellen oder bewusst destruktiv auftreten. Doch hinter diesem Verhalten steckt selten reine Bosheit. Die tiefgreifende Transformation unseres Energiesystems rührt an Gewohnheiten, Identität und Sicherheit. Viele reagieren nicht auf Windräder oder Wärmepumpen, sondern auf das Gefühl, dass ihre vertraute Welt aus den Fugen gerät. Aus Angst entsteht Abwehr, aus Überforderung wird Gereiztheit. Was äußerlich wie Härte oder Aggression wirkt, ist oft ein Versuch, Kontrolle zurückzugewinnen. Dazu kommen soziale Dynamiken: In lokalen Konflikten oder Online-Debatten eskalieren Positionen schneller, Gruppen verstärken Extreme, und die Sachebene geht verloren. Manche Menschen blicken zudem stark aus der individuellen Kosten‑ oder Komfortperspektive auf die Energiewende und fühlen sich dadurch bedrängt oder benachteiligt. Unterschiedliche Kommunikationsstile verschärfen Missverständnisse zusätzlich. All das erklärt verletzendes Verhalten nicht, aber es macht es nachvollziehbarer. Die wenigsten wollen einfach „Arschlöcher“ sein – sie schützen sich selbst, ihre Routinen oder ihr Weltbild. Gerade deshalb braucht die Energiewende neben Technik und Politik vor allem eines: Verständnis für die menschliche Seite des Wandels.

NARRATIVE MACHT
Narrative Macht – unser neues Whitepaper, das in Zusammenarbeit mit Fortitute entstanden ist – zeigt, warum die Energiewende nicht allein im Maschinenraum, sondern vor allem im Erzählraum entschieden wird. Es macht deutlich, wie frühzeitiges, transparentes und korrigierbares Erzählen Orientierung schafft – und warum Schweigen kein neutraler Zustand ist, sondern ein Vakuum erzeugt, das von einfachen, emotionalen und oft irreführenden Narrativen gefüllt wird.
Das Whitepaper analysiert, wie Narrative Vertrauen formen, Konflikte strukturieren, Märkte beeinflussen und Beteiligung ermöglichen oder blockieren. Es zeigt, weshalb Mut zur Vorläufigkeit eine zentrale Ressource demokratischer Transformation ist – und warum verantwortungsbewusstes Erzählen wirkungsvoller sein kann als perfektionistisches Abwarten.
Wer das Whitepaper lesen möchte, antwortet einfach kurz auf diesen Newsletter oder findet die Möglichkeit zum Bezug unter www.dialoge.digital/desinformation.

MODERATIONSSEMINAR
Du wolltest schon immer tiefer in die Kunst der Moderation eintauchen?
Am 18. April 2026 kommt Michael Krieger gemeinsam mit seinem Team von dialoge.digital für einen Tagesworkshop zu Wir Bauen Zukunft.
Gemeinsam widmen wir uns Werkzeugen, Haltungen und feinen Taktiken der Gruppenmoderation. Denn Moderation ist so viel mehr als ein Leitfaden - sie ist die Fähigkeit, Räume zu halten, Orientierung zu geben und einer Gruppe Sicherheit zu schenken, während sie sich ins Unbekannte hinein bewegt.
Wie navigieren wir durch Komplexität? Wie bleiben wir ruhig, wenn Dynamiken intensiv werden? Und wie können wir Klarheit entstehen lassen, wo viele Perspektiven zusammenkommen?
Michael Krieger ist Gründer von dialoge.digital und bewegt sich seit Jahren an den Schnittstellen von politischen Prozessen, komplexer Kommunikation und strategischer Dialogarbeit.
Wir haben mit Michael bereits verschiedene Veranstaltungen im Regionalkontext gemacht und sind begeistert von seiner Klarheit und Kompetenz, auch in komplexen Situationen die Übersicht zu bewahren und einen konstruktiven Arbeits- und Dialograum zu halten. Und es macht einfach Spaß mit ihm zu arbeiten.
Mehr Infos und Anmeldung unter: https://www.wirbauenzukunft.de/termine

SOUVERÄN KOMMUNIZIEREN
In gesellschaftlich angespannten Zeiten wachsen auch die Herausforderungen in der Kommunikation: Polarisierte Debatten, Desinformation, emotionale Überhitzung – all das betrifft heute besonders Menschen in Klimabildung, politischer Bildung, Verwaltung und Zivilgesellschaft.
Um diesen komplexen Situationen mit mehr Klarheit und Sicherheit begegnen zu können, biete wir, Eric Klausch und ich, einen zweitägigen Workshop an, der echten Übungsraum statt Performance-Druck schafft.
Worum geht es? Der Workshop „Souverän kommunizieren in polarisierten Zeiten“ verbindet fundiertes Verständnis für Eskalationsmechanismen mit intensivem, geschütztem Üben. Die Teilnehmenden arbeiten mit ihren eigenen realen Fällen und entwickeln Werkzeuge, die sie unmittelbar im Alltag nutzen können.
Der Fokus liegt nicht auf Debattiertechniken oder dem perfekten Gegenargument – sondern auf Haltung, Selbstregulation und situativer Handlungsfähigkeit.
Tag 1 – Wahrnehmen & Verstehen
Warum kippt Kommunikation so schnell?
Aufmerksamkeitsökonomie und Eskalationsmuster erkennen
Desinformation einschätzen, ohne in eine Gegenargument-Schlacht zu geraten
Eigene Trigger wahrnehmen und innere Haltung stärken
Schwierige Gespräche üben – inkl. Abbruchfähigkeit
Tag 2 – Anwenden & Transfer
Social-Media-Dynamiken verstehen: Wann reagieren – und wann bewusst nicht?
Eskalationen anhand echter Kommentare üben
Entwicklung des persönlichen Kommunikationskompasses
Transfer in den eigenen Arbeitsalltag
Für wen ist dieser Workshop? Für Menschen, die in ihrem Arbeitsfeld regelmäßig mit herausfordernder Kommunikation konfrontiert sind – ob im direkten Gespräch, in Veranstaltungen oder online. Etwa aus: Klimabildung & Umweltkommunikation, politischer Bildung, Zivilgesellschaft & NGOs, Verwaltung & Behörden sowie Moderation & Öffentlichkeitsarbeit.
Warum dieser Workshop? Weil souveräne Kommunikation in angespannten Zeiten mehr braucht als Argumente: Sie braucht Klarheit, Präsenz und ein tiefes Verständnis der Dynamiken, die Polarisierung antreiben. Und genau hier setzt dieser Workshop an.


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