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ECHO und AUFBRUCH - XIV

  • 15. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Von 0, über 10, 50, 60 und 80 zu 100 % [Teil 1]

 

„Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder.“ Das soll einst Pierre Vergniaud gesagt haben, bevor er 1793 im Zuge der Französischen Revolution hingerichtet worden ist. Wenn man sich anschaut, was die Bundesregierung aktuell im Bereich der erneuerbaren Energien vorhat, kann man fast das Gefühl haben, dass wir an einem solchen Punkt angekommen sind. Bevor wir jetzt aber alle auf Katherina Reiche losschimpfen, will ich in diesem Beitrag einen systemischen Blick wagen.

 

Die Energiewende begann viel früher als viele glauben. Die ersten Jahre dümpelte der Ausbau auf niedrigem Niveau vor sich hin. Erst durch die Revision des Erneuerbare-Energien-Gesetzes durch die rot-grüne Bundesregierung Anfang der 2000er-Jahre gab es einen Aufschwung. Der war dann deutlich erfolgreicher als viele dachten.

 

Die Erneuerbaren tragen heute etwa 60 % am produzierten Strom bei. Tendenz weiter steigend (die Wärme lassen wir mal außen vor). Die Netze ächzen unter den Lasten. Nicht überall gleich viel, aber sie ächzen. Daher wird – zurecht – immer wieder gefordert, dass der Netzausbau schneller gehen müsse, um den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie hinterherzukommen. Bis das passiert, rasselt der Strompreis bestimmt noch einmal von einem Negativrekord zum nächsten. Refinanzierungsfragen werden dadurch immer schwieriger. Batteriespeicher sollen jetzt überall errichtet werden – ach ja, und Gaskraftwerke.

 

Bis zum Jahr 2030 – so zumindest bisher der Plan – wollte man 80 % der Stromerzeugung auf Erneuerbare bringen. Bis 2045 – dem Jahr der Klimaneutralität – dann auf einhundert. Legt man die Ausbaugeschwindigkeit zugrunde, die unter der Ampel-Regierung erreicht wurde, sollte das eigentlich ein Klacks sein. Eigentlich.

 

Die Energiewende hat immer wieder entscheidende Wegmarken genommen. Durch die Politik wurde es ihr auch einfacher gemacht: Aus der Atomenergie sind wir „irreversibel“ (Zitat Bundeskanzler Friedrich Merz) ausgestiegen, auch wenn das Thema wirklich nicht totzukriegen ist. Und auch der Kohleausstieg ist vereinbart, Milliarden wurden dafür bereitgestellt, die die Konzerne natürlich gerne genommen haben.

 

Auf der systemischen Ebene hängen wir aber fest, weil wir immer noch nicht in der Lage sind, Produktion und Verbrauch zusammenzubringen. Natürlich fehlen uns überall Smartmeter. Natürlich fehlt auch eine räumlich-strategische Steuerung des Ausbaus – dort wo viel gebraucht wird, sollten auch viele Windkraftanlagen stehen. Natürlich passt das niemanden. Natürlich wird das Geschäftsmodell in Frage gestellt. Natürlich würgen die vorgeschlagenen Gesetzespakete den Ausbau ab.

 

Die bisherigen Wegmarken der Erneuerbaren waren 10 %: nur wenige waren am Anfang der Energiewende davon überzeugt, dass sie überhaupt einen entscheidenden Beitrag zur Stromerzeugung liefern können. Etwa zum Beginn der Kanzlerschaft von Angela Merkel, 2005, wurde diese erste Hürde genommen. Dann sollte es weitere 18 Jahre dauern, bis wir 50 % erreicht haben. Und allein in den letzten 3 Jahren war ein Sprung um weitere 10 Prozentpunkte auf über 60 % möglich. Sicherlich auch arithmetisch durch das Abschalten der letzten Atomkraftwerke.

 

Den bisherigen Ausbau kann man gut unter dem Stichwort „Vorrang“ zusammenfassen. Die Erneuerbaren waren die Stars, alles musste sich ihnen unterordnen. Aber um dann wirklich auf die 100 % zu kommen, reicht Vorrang nicht mehr aus. Wir müssen systemischer denken, systemischer kommunizieren und systemischer agieren.

 

Wie das funktionieren kann, das wird in Teil 2 in der nächsten Ausgabe von ECHO und AUFBRUCH weitergedacht.

 

Kommunikation mit Ignoranten

 

Mein erfolgreiches Seminar „Kommunikation mit Ignoranten“ geht in eine neue Runde. Die nächste Online-Ausgabe findet am Dienstag, 9. Juni 2026, von 17 bis 19 Uhr statt.

 

Ich stelle zehn leicht anwendbare Techniken vor, um konstruktiv mit Klimawandelleugnern, Impfskeptikern, Verschwörungstheoretikern, Gallopierern oder schlicht ignoranten Personen umzugehen. Ob bei der Bürgerinformationsveranstaltung, im Teammeeting oder beim Grillabend – Ignoranten begegnen uns überall und fordern uns heraus. Häufig geraten wir dabei in die bekannte Rechtfertigungsfalle („Ja, aber …“) und kommen inhaltlich nicht mehr weiter.

 

Das Seminar richtet sich an alle, die auch die Schönheit eines Patts erkennen lernen möchten.

 

Teilnahmegebühr: 50,00 € (brutto) pro Person. Wenn du dabei sein willst, hier anmelden.

 
 
 

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