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ECHO und AUFBRUCH - XVIII

21. Sept.
3 Min. Lesezeit

Was taugt ein Slotsystem für eine Bürgerinfo?


Mittwochabend, südlich von Köln, 18:45 Uhr. Gerade startet der zweite Slot für eine Bürgerinformationsveranstaltung. Im ersten Slot um 18:00 Uhr sind rund 30 Leute gekommen. 22 von ihnen waren angemeldet. Von der ersten Fuhre waren immer noch gut zwanzig Leute da. Für den zweiten sind nur elf angemeldet. Platz ist genug da. Die meisten kommen ein paar Minuten vor der Zeit. Der dritte Slot startet dann in 45 Minuten. Der letzte um 20:15 Uhr. Um kurz nach 21 Uhr werde ich von einer Frau mir ausgestrecktem Zeigefinger angefahren, weil hier ein Millionenprojekt entstehe und ich ihr nicht einfach sagen könne, dass die Veranstaltung jetzt zu Ende ist.

 

Immer wieder diskutiere ich mit verschiedenen Projektentwicklern darüber, ob eine Anmeldung vorab sowie Zeitslots für eine solche Veranstaltung Sinn machen. Auf der einen Seite lässt sich der Besucherstrom deutlich besser steuern. Gerade wenn die Raumverhältnisse schwierig sind, führt meines Erachtens kein Weg an einem solchen System vorbei. Und die, die sich nicht anmelden wollen, kommen ja trotzdem. Auf der anderen Seite verstehe ich auch diejenigen, die sagen, dass dieses System dem Format etwas die Niedrigschwelligkeit und vielleicht auch etwas die Seele raubt. Weil dann eben Leute nicht kommen, die auf „sowas“ keinen Bock haben. Das kann die Stimmung vor Ort etwas schwieriger gestalten, als sie unbedingt sein müsste. Diejenigen, die das Format des Infomarktes sowieso nicht mögen, werden einen zusätzlichen Kritikpunkt haben.

 

Ich würde nicht pauschal auf ein Zeitslotsystem gehen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Allerdings würde ich es immer bevorzugen, wenn sich das Projektteam damit einerseits wohler fühlt und andererseits der Besucherstrom koordinierter laufen muss.

 

Wie seht ihr das? Nutzt ihr Zeitslots oder würdet ihr davon eher Abstand nehmen?


Polarisierung ahoi – was uns die Wahlen sagen

 

Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben im September gewählt. Auch wenn die Ergebnisse nicht überall gleich sind, lässt sich dennoch ein übergeordneter Trend ausmachen: die Polarisierung nimmt zu.

 

Die beiden politischen Großlager, reaktionär-konservativ und grün-progressiv, entfernen sich voneinander. Auch die Teilung Stadt zu Land ist stärker geworden. Ein Trend, der nicht erst gestern gestartet ist, sich jetzt aber deutlich manifestiert. Doch was bedeutet das für uns als Gesellschaft und was bedeutet es für die Energiewende vor Ort?

 

Die gesellschaftlichen Veränderungen verspüren wir schon länger. Man zieht sich in seine Echokammern zurück. Sowohl das rechte als auch das linke Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber. Jeder beansprucht für sich im Besitz der Wahrheit zu sein. Debatten bestehen eher aus verbalen Angriffen statt aus Zuhören- und Verstehen-Wollen. Die Rolle der (sozialen) Medien kann gar nicht überbewertet, soll hier aber nicht weiter betrachtet werden. Wann habt ihr zuletzt mit einer Person ein vernünftiges (politisches) Gespräch geführt, die nicht eurer Echokammer angehört?

 

Die Dysfunktionalität der Polarisierung zeichnet sich vor allem durch eine hohe Emotionalisierung aus. Bei Diskussionen über Energiewendeprojekte vor Ort merkt man das besonders. Ich werde nämlich als Moderator bzw. Konfliktmanager etwas zu schnell gebeten einzuschreiten – und zwar von beiden Seiten. Das Aushalten des jeweils anderen Standpunktes wird als Zumutung empfunden. Doch gerade demokratische Debatten leben davon, sich deutlich zu positionieren und auch die Positionen der anderen zu ertragen und, ja, auch nachvollziehen zu wollen. Ich selbst starte daher in jedes Gespräch vor Ort mit der gleichen Haltung: „Was, wenn der andere Recht hat?“ Das soll nun nicht bedeuten, dass mein eigener Standpunkt nichts wert wäre, sondern das ich mir zugestehe, dem anderen zu erlauben ein gutes Argument zu bringen. Egal, wie es vorgetragen ist. Und ehrlichgesagt interessiert niemanden, welche Meinung der Moderator hat. Besser ist das auch.

 

Allerdings muss man wirklich betonen, dass diese offene Haltung es erlaubt, Emotionen aus der Debatte zu nehmen, weil wir uns nur durch meine eigene Haltung gezwungen sehen, auf einer sachlicheren Ebene zu diskutieren. Das führt nicht häufig zu einem Ergebnis, das mir ganz besonders gefällt: ich werde angelächelt.


Bloß nicht zustimmend Nicken

 

In Diskussionen steht man manchmal vor der Herausforderung mit einer Person umzugehen, die mich mit Kritik zuschwallt. Warum sprechen solche Personen eigentlich immer weiter?

 

Einen Effekt darauf hat, dass viele von uns zustimmend Nicken oder mit „Mhm“ oder „Ja“ das Gegenüber motivieren, weiterzusprechen. Die Höflichkeit gebietet diese Gesten, weil ich so signalisiere, dass ich zuhöre.

 

Wenn man allerdings das zustimmende Nicken weglässt und keine zustimmenden Laute von sich gibt, führt das schneller dazu, dass mein Gegenüber seine Ausführungen beendet. Außerdem kann es zusätzlich helfen, die Arme schlaff am Körper herabhängen zu lassen. Denn auch ein Verschränken vor der Brust und gar das Zurücknehmen der Hände hinter den Rücken signalisieren ebenfalls nonverbal, dass ich an den Ausführungen Interesse habe.

 

Probiert gerne mal aus, im nächsten Gespräch all diese Zeichen wegzulassen. Das ist gar nicht so leicht, kann das Gegenüber aber so stark irritieren, dass es seinen Redeschwall reduziert oder sogar beendet.

 

Wer es richtig übertreiben will, dreht auch noch die Körpermitte weg von der Person und zeigt mit den Füßen in eine Richtung weg vom Gesprächspartner.

 
 
 

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